Überraschtes GC chancenlos gegen Luzern

Der FC Luzern nutzte im Heimspiel gegen die Grasshoppers die taktischen Vorteile der Rautenformation und zeigte eine überzeugende Leistung. GC schien von der Systemumstellung der Luzerner überrascht und blieb chancenlos (0:2).

Vor sechs Wochen war GC im Heimspiel gegen den FC Luzern als glücklicher 1:0-Sieger aus der letzten Direktbegegnung der beiden Teams hervorgegangen. GC-Trainer Tami hatte für jene Partie das System dem Gegner angepasst und sein Team gegen Luzerns 4-3-1-2 selbst ebenfalls in einer Formation mit Mittelfeld-Raute auf den Platz geschickt. Sich mit seiner Formation recht stark am Gegner auszurichten, blieb in der Folge die Devise von Tami, wobei dies in den letzten Spielen hauptsächlich die Wahl eines 4-1-4-1-Systems bedeutete. Luzern war in der Zwischenzeit ebenfalls von der Rautenformation abgekommen und mehrheitlich im 4-1-4-1 angetreten. Für die Partie gegen GC allerdings kehrte Luzern-Coach Babbel zum anfangs der Rückrunde häufig gespielten 4-3-1-2-System zurück und dürfte GC damit überrascht haben. Die Grasshoppers waren wie zuletzt im 4-1-4-1-System formiert und schienen schlecht eingestellt auf das zentrumlastige Spiel der Luzerner.

Luzern vs Grasshopper Club - Football tactics and formations
FC Luzern – GC: Startaufstellungen

Die Mittelfeld-Raute der Luzerner funktionierte in dieser Partie dank angepasster Besetzung so gut wie wohl noch nie. Nebst den gesetzten Wiss (defensiv) sowie Freuler (halblinks) standen Bozanic (halbrechts) sowie Jantscher (offensiv) in der Startformation. Als variabler und kreativer Spieler mit guter Technik kann Jantscher seine grössten Stärken in dieser Formation auf der Spielmacher-Position optimal zur Geltung bringen. Bozanic ergänzt die Raute als kompletter Spieler wesentlich besser als Winter, der mit seinem weniger vielseitigen Spiel in der ersten Halbzeit der Partie bei GC vor sechs Wochen keine gute Leistung zeigte. Die Luzerner nutzten die numerische Überlegenheit im Zentrum und öffneten vor allem auch die Räume vor der GC-Abwehr sehr geschickt. Durch variables Spiel mit verschiedenen Positionswechseln und der effektiven Unterstützung von Bozanic für Wiss im Spielaufbau sowie der hohen Präsenz von Freuler und Jantscher im linken Halbraum beherrschten die Luzerner das Mittelfeld. Angesichts dieser Dominanz hätte das Aufbauspiel durch das Zentrum noch stärker forciert werden können oder müssen. Dazu scheint allerdings zuweilen die Ballsicherheit in der Defensive zu fehlen. Nicht selten wird stattdessen ein langer Ball nach vorne geschlagen, wobei auch dies zu durchschlagendem Erfolg führte. Die beiden Stürmer Schneuwly und Lezcano zeigten sehr gute Leistungen bei der Ballverarbeitung, zumal sie im Kampf um die zweiten Bälle im Zentrum von der Raute gut unterstützt wurden. Exemplarisch dafür stand der 1:0-Führungstreffer von Schneuwly: Lezcano behauptete sich im Kopfballduell, Bozanic und Freuler nutzten die Überzahl im Zentrum zur Ballsicherung und Freuler spielte einen herausragenden Pass in die Tiefe.

Die sehr guten inviduellen Leistungen aller Mittelfeld- und Offensivspieler waren nebst der taktischen Überlegenheit die Basis für die grosse Dominanz der Luzerner in der ersten Halbzeit. Nicht zuletzt dank Schneuwly, der nach erneuter Vorlage von Freuler später zum 2:0 traf, sowie Lezcano funktionierte auch Luzerns Pressing ausgezeichnet. Ihr Druck auf die Innenverteidiger und die grosse Laufarbeit auf die Seiten verhinderte, dass die Grasshoppers den theoretischen Vorteil der freien Aussenverteidiger im Spielaufbau nutzen konnte. GC vermochte bis zur Pause das eigene Ballbesitzspiel nie in Ruhe aufzubauen.

GC passt System zu spät an

Die GC-Offensive vermochte überdies nie für Entlastung zu sorgen. Dabei litt das ohnehin leicht ersatzgeschwächte Team der Grasshoppers (ohne Ravet und Pavlovic) auch unter dem frühen verletzungsbedingten Ausfall von Topstürmer Dabbur (Ben Khalifa ersetzte ihn in der 12. Minute). Ngamukol fand als weit vorne postierter rechter Flügel nicht ins Spiel. Und die oft einwärts gerichteten Dribblings von Rechtsfüsser Caio am linken Flügel waren gegen die im Zentrum sehr kompakten Luzerner nicht das richtige Mittel.

Das Hauptproblem der Grasshoppers war aber sicherlich die Unterlegenheit im Zentrum. Das defensiv grundsätzlich starke Mittelfeld-Trio Vadocz, Abrashi und Fedele – in Sion beispielsweise noch überragend im Spiel gegen den Ball – fand überhaupt keinen Zugriff auf die Luzerner Raute. Zu dritt gegen vier grundsätzlich im Nachteil zeigten ihre überdies schlechten Reaktionen auf die guten Bewegungen der Luzerner, dass GC vermutlich nicht davon ausging, gegen eine Rautenformation antreten zu müssen. Hauptsächlich aber waren die generellen Nachteile der Formation dafür verantwortlich, dass die GC-Mittelfeldspieler ihre Positionen oft verlassen mussten, zu weit weg waren von den Gegenspielern und so die Zweikampfstärke gar nicht einsetzen konnten.

Die grossen Probleme der Grasshoppers zeigten sich von Beginn weg in typischer Art. Luzern erspielte sich im Verlauf der ersten Halbzeit regelmässig gute Torchancen. Das System selbst auf ein 4-3-1-2 umzustellen und so die Überlegenheit der Luzerner im Zentrum zu neutralisieren versuchen, schien früh die einzige Möglichkeit für GC, im Spiel zu bleiben. Mit den beiden Flügeln Caio und Ngamukol, die auf den Seiten ohnehin nicht ideal eingesetzt sind und im Gegenteil ihre Stärken sogar auf der Spielmacher-Position (Caio) bzw. im Sturm (Ngamukol) haben, wären für diese Umstellung keine Spielerwechsel notwendig gewesen. Umso weniger nachvollziehbar war die Entscheidung von GC-Coach Tami, nicht früh mit einer Systemumstellung ins Spiel einzugreifen. Tami wechselte das System erst in der Pause zum 4-3-1-2, wobei das Spiel mit dem 1:0 und der sich abzeichenden Konterchancen bereits zu Gunsten der Luzerner entschieden schien. Ohnehin wäre zu jenem Zeitpunkt beim Stand von 0:1 vermutlich bereits eine radikalere Umstellung als die Neutralisierung der Luzerner Taktik vonnöten gewesen.

Fazit

Leicht ersatzgeschwächt und mit schwacher Tagesform individuell fraglos unterlegen, hatte GC in Luzern eine sehr schwierige Aufgabe zu bewältigen. Gleichzeitig schienen die Grasshoppers von der Taktik der Luzerner überrascht und schlecht auf die Rautenformation eingestellt zu sein. Wegen der Unterlegenheit im Zentrum blieben die Grasshoppers chancenlos, zumal sie ihre Taktik viel zu spät im Spielverlauf anpassten. Die Partie lieferte somit einen erneuten Beweis, dass das Team von Coach Tami aktuell keinen erfolgreichen Fussball zu spielen vermag, wenn die taktische Einstellung nicht passt und man sich diesbezüglich nicht hauptsächlich an den gegnerischen Stärken orientiert. Luzern-Coach Babbel nutzte dies mit einer geschickten Systemwahl und konnte überdies auf viele gute individuelle Leistungen seines Teams zählen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s