GC spielt Stärken aus gegen indisponierten FCSG

Die Grasshoppers dominierten die Partie gegen den FC St. Gallen (2:0) nach Belieben, indem sie ihre Stärken gegen eine ungenügend auf das GC-Spiel abgestimmte Taktik der St. Galler voll ausspielen konnten.

Die Grasshoppers haben im Verlauf dieser Rückrunde deutliche Fortschritte gemacht und zuletzt etwa auswärts den FC Basel gefordert. Mit dem 4-1-4-1-System hat GC-Trainer Tami nach anfänglichen Schwierigkeiten eine passende Formation für sein Team gefunden. Auf dieser Grundlage und dank geschickter Feinabstimmung der taktischen Ausrichtung an die jeweiligen Gegner zeigt GC aktuell ansprechende Leistungen. Spürbar sind allerdings auch die Grenzen dieser Mannschaft. Das GC-Spiel lebt von der Zweikampfstärke im Zentrum sowie der individuellen Klasse am Ball. Auch wenn sich das kollektive Spiel bei eigenem Ballbesitz ständig verbessert, ist das Offensivspiel von GC hauptsächlich von zwei Akteuren abhängig.

Im Spielaufbau kommt Dingsdag auf der Sechser-Position eine zentrale Rolle zu. Der frühere Innenverteidiger besitzt ein vor allem strategisch gutes Passspiel. Angesichts der relativen Schwäche in diesem Bereich der übrigen GC-Defensiv- und Zentrumsspieler kommt Dingsdag in der ersten Phase des Spielaufbaus eine umso höhere Bedeutung zu. Für den kreativen Impuls im offensiven Mittelfeld ist sodann Caio verantwortlich: Der spielerisch klar stärkste GC-Spieler nimmt am linken Flügel quasi die Rolle eines Spielmachers ein. Idealtypisch eröffnet GC das Spiel gerne über Dingsdag, der mit einem Vertikalpass im linken Halbraum Caio zwischen den Linien findet, worauf dieser das Spiel verlagern und seine Mitspieler einsetzen oder mit dem Ball am Fuss auf die gegnerische Abwehr losziehen kann. Gelingt GC die Einbindung dieser beiden Spieler bzw. der Zugang zum linken Halbraum, wo sich auch Dabbur gerne anbietet, kommt ihr Offensivspiel in Gang. Die mangelnde Kreativität im Zentrum, die nicht so offensive Einstellung von Linksverteidiger Lüthi oder das sehr schwache Passspiel von Ravet wirken sich dann kaum negativ aus. Vermag ein Gegner die Stärken von GC zu neutralisieren, bleibt die Offensive von GC dahingegen häufig harmlos. Genau das gelang dem FC St. Gallen jedoch nicht. Wie vor kurzem in Luzern war die taktische Ausrichtung der St. Galler nicht gut abgestimmt auf die gegnerischen Stärken.

Grasshopper Club vs St. Gallen - Football tactics and formations
GC – FC St. Gallen: Startaufstellungen

FCSG-Trainer Saibene schickte sein Team in einem 4-1-4-1-System mit Bunjaku und Mutsch im zentralen Mittelfeld vor Sechser Everton aufs Feld. Die St. Galler spielten kein Angriffspressing, sondern versuchten das GC ab der Mittellinie zu attackieren. Mit hoher Abwehrlinie versuchten sie im mittleren Spielfelddrittel grosse Kompaktheit herzustellen. Die Kompaktheit war bis zur Pause in Ordnung und führte dazu, dass GC keinen Dauerdruck entfachen konnte. Allerdings gelangen auch kaum Balleroberungen und fand GC von Zeit zu Zeit doch Lücken. Auch wenn sich die Grasshoppers nicht im Minutentakt Torchancen erspielen konnten, lief das Spiel genau nach ihrem Wunsch. Ihre Schwächen wurden nicht gefordert, sie beherrschten das Spiel mit kontrolliertem Ballbesitz problemlos und hatten regelmässig Torchancen.

Dingsdag konnte den Spielrhythmus nach Belieben bestimmen. Er liess sich häufig in die Abwehrkette auf die linke Seite neben Grichting fallen oder versuchte direkt aus dem Zentrum heraus das Kombinationsspiel von GC in den linken Halbraum zu lenken. Dabei war er stets praktisch unbedrängt. Cavusevic kümmerte sich wenn dann um einen der beiden GC-Innenverteidiger. Bunjaku versuchte vereinzelt aus der Kette herauszurücken, aber eher um Gülen unter Druck zu setzen, was kaum effektiv war. Generell waren die zentralen Mittelfeldspieler der St. Galler zu weit von Dingsdag entfernt positioniert. Um den Spielaufbau von GC besser stören zu können, bräuchte es deutlich mehr Präsenz im gegnerischen Sechserraum. Idealerweise müsste Dingsdag stets eng verfolgt werden. Und vorne sollte der GC-Aufbau so gelenkt werden, dass der spielerisch limitierte Grichting die Hauptarbeit in der Spielauslösung übernehmen müsste. Mit dem 4-1-4-1-System und keinerlei spezifischem Pressing gegen Dingsdag vermochte St. Gallen den Spielfluss der Grasshoppers nie zu stoppen.

Caio und Dabbur dominieren im linken halbraum

Der Bewachung von Caio schien St. Gallen ebenfalls keine extrem hohe Aufmerksamkeit zu schenken. Sicher sollte die Kompakheit auch viele Anspiele auf Caio verhindern, aber gerade im 4-1-4-1-System sind die Halbräume oft doch geöffnet, zumal die St. Galler Verteidiger die Bewegungen ihrer Gegenspieler zwischen die Linien nicht besonders eng verfolgten. Zudem benötigt Caio mit seiner exzellenten Ballverarbeitung auch nur wenig Raum, um Angriffe am Leben halten zu können. Mit viel Präsenz im linken Halbraum leiteten Caio und Dabbur alle guten GC-Chancen der ersten Halbzeit ein. Der durchschlagende Erfolg blieb vorerst auch aus, weil GC nicht genügend oft hinter die Abwehr von St. Gallen spielte. Gegen die sehr hoch positionierte FCSG-Defensive hätte dies für mehr direkte Torgefahr sorgen können oder zumindest im Mittelfeld Caio noch etwas mehr Platz geschaffen.

Nach der Pause spielten die Grasshoppers häufiger hinter die St. Galler Abwehr und generell noch etwas druckvoller im Spielaufbau. Die St. Galler Kompaktheit litt und GC erspielte sich immer mehr gefährliche Torchancen. Ein absolut typischer Angriff stand am Ursprung des GC-Führungstreffers. Erst hatte ein perfekter weiter Ball von Dingsdag hinter die St. Galler Abwehr zu einem Einwurf für GC links vorne geführt. Aus diesem Einwurf heraus konnte wiederum Dingsdag im Rückraum völlig frei angespielt werden. Caio behauptete nach Dingsdags Pass den Ball im linken Halbraum, legte zurück auf Vadocz, der Dabbur in die Tiefe lancierte. Dabbur schliesslich holte den Eckball heraus, der zum 1:0 führen sollte.

Im Rückstand liegend stellte FCSG-Coach Saibene auf ein 4-4-2-System um und ersetzte dazu Bunjaku durch Karanovic. Gleichzeitig griffen die St. Galler den GC-Spielaufbau viel höher an. Sofort waren sie besser im Spiel, erarbeiteten sich vereinzelte Eckbälle und forderten die GC-Defensive stärker. Diese hielt dank sehr starker Zweikampfbilanz aber problemlos stand. Insbesondere Gülen gelang erneut eine herausragende Leistung in den Direktduellen gegen die St. Galler Stürmer.

Fazit

Die Grasshoppers erspielten sich mit einer durchwegs guten Leistung einen völlig verdienten 2:0-Sieg. Gegen einen taktisch indisponierten FC St. Gallen konnten sie ihre grössten Stärken voll ausspielen. Dingsdag bestimmte den Spielrhythmus vor der eigenen Abwehr und Caio sowie Dabbur leiteten aus dem linken Halbraum regelmässig gefährliche Angriffe ein. Die St. Galler besassen in ihrem 4-1-4-1-System äusserst schlechten Zugriff auf diese beiden für das GC-Spiel absolut prägenden Zonen und blieben so chancenlos.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s