Vorschau: Drei Fragen zum Cupfinal

Die Ausgangslage vor dem Cupfinal zwischen dem FC Basel und dem FC Sion verspricht eine interessante Partie. Der FCB wird gefordert von einem physisch starken und gut organisierten Team. Drei Aspekte, die Spielanlage und -verlauf prägen könnten.

Basel vs Sion - Football tactics and formations
FC Basel – FC Sion: Mögliche Startaufstellungen

1. Welche Formation wählt der FC Basel?

Der FC Basel spielte diese Saison zumeist in einer asymmetrischen Formation, die sich auf Grund der Unterschiede in Defensiv- bzw. Offensivspiel nur beschränkt im gewohnten Zahlensystem fassen lässt. Bei eigenem Ballbesitz stösst ein Aussenverteidiger weit nach vorne und verwandelt das 4-2-3-1 in ein 3-3-3-1. Verteidigt wird allerdings stets in einer Viererkette. In einzelnen Partien, wie beispielsweise gegen die Grasshoppers, wählte FCB-Coach Sousa eine Aufstellung mit weit nach vorne stossendem Linksverteidiger. Inbesondere in den entscheidenden Partien in der Champions League und in der Meisterschaft gegen YB, sowie zweimal diesen Frühling gegen den FC Sion, fungierte jedoch stets der Rechtsverteidiger als offensiv eingestellter Aussenläufer. Entsprechend dürfte sich Sousa auch im Cupfinal für diese Variante entscheiden.

Angesichts der Gefahr, die von Sions linkem Flügel Carlitos ausgeht, dürfte Sousa die Position des vorstossenden Rechtsverteidigers mit Xhaka besetzen. Als defensiv deutlich stärkerer Spieler gegenüber Callà und Degen war Xhaka in allen wichtigen Spielen Sousas erste Wahl auf dieser Position. Xhaka dürfte sich mit seinen Vorstössen zudem etwas stärker zurückhalten als in anderen Partien. Sion sucht nach Ballgewinn häufig das vertikale Anspiel auf Carlitos. Am gefährlichsten werden die Sittener sodann, wenn Carlitos einwärts dribbeln und selber in den Abschluss gehen oder den schnellen Follonier mit einer Seitenverlagerung lancieren kann. Carlitos soll in Xhakas Rücken nicht zu viel Raum für Konterangriffe erhalten, zumal Schär häufig Probleme bekommt in der Verteidigung auf der Seite gegen wendige Flügel.

Im Abwehrzentrum sind Schär und Suchy gesetzt. Für die sehr defensiv ausgerichtete Rolle des Linksverteidigers, der sich entsprechend der Asymmetrie fast gar nie der Linie entlang ins Offensivspiel einschalten darf, kommen Traoré und Safari in Frage. Gegen den sehr schnellen Follonier benötigt die FCB-Abwehr in dieser Zone insbesondere Geschwindigkeit.

2. Wie besetzt der FC Basel die Flügel?

Die Wahl der Asymmetrie in der Abwehrreihe besitzt auch grosse Bedeutung für die Rollen der Offensivspieler. Der Mittelfeldspieler vor dem weit nach vorne schiebenden Aussenverteidiger rückt weit ins Zentrum hinein. Auf der anderen Seite dahingegen soll der offensive Mittelfeldspieler im Spielaufbau an der Seitenlinie agieren und dem FCB-Spiel so möglichst viel Breite geben. Die eingerückte Rolle, in dieser Partie vermutlich auf der rechten Seite, erfordert einen kompletteren Spielertypen. Bei eigenem Ballbesitz soll sich dieser Spieler geschickt im freien Raum bewegen und stärker ins Kombiantionsspiel eingebunden werden. Defensiv besitzt er grosse Bedeutung für Angriffs- und Gegenpressing und muss gleichwohl weite Wege nach hinten gehen.

Als läuferisch starker, technisch guter und wendiger Spieler war Gonzalez wenn möglich stets erste Wahl von Sousa für diese Rolle. Im Cupfinal wird er allerdings nicht zur Verfügung stehen, da er bereits in Paraguay zur Vorbereitung für die Copa America weilt. Seine Qualitäten wird der FCB schmerzlich vermissen, zumal mit Embolo der erste Ersatz für diese Position ebenfalls fehlt (gesperrt). Die Besetzung dieser Position dürfte die grösste offene Frage sein für Sousa vor dieser Partie. Er besitzt verschiedene Möglichkeiten:

Callà gelangen auf der Xhaka-Position als vorstossender Rechtsverteidiger oder auf der breiten Aussenposition im Mittelfeld mehrere gute Leistungen in der Rückrunde. Beide Rollen sind gut auf seine Fähigkeiten als schneller Aussenläufer zugeschnitten. In den engen Räumen im Halbraum fühlt er sich weniger wohl und fügt sich nicht perfekt ins Kombinationsspiel ein. Gegen St. Gallen in der letzten Runde wurde er erstmals in dieser Rückrunde auf dieser Position eingesetzt, vermutlich zu Testzwecken für den Cupfinal. Sousa dürfte ihn also favorisieren und würde damit auf die defensivste Option setzen.

Gashi bekleidete diese Rolle anfangs Saison, hat sich aber auf der taktisch etwas weniger anspruchsvollen linken Seite besser zurecht gefunden. Im Normalfall ist er auf der linken Seite gesetzt. Da Gashi in der Offensive im rechten Halbraum wirkungsvoller sein dürfte als Callà und dieser wiederum auf der Aussenposition stärker ist, wäre ein Seitenwechsel denkbar. Mit Gashi im rechten offensiven Mittelfeld könnte dem FCB allerdings die Balance im Pressing fehlen.

Delgado wäre die offensivste Option. Da es sich nicht um eine klassiche Flügelrolle handelt, ist Delgado nicht grundsätzlich ungeeignet für diese Position und hat auch schon Einsätze dort bekommen. Unter anderem im Heimspiel gegen den FC Sion. Als technisch starker Spieler mit gutem Instinkt für die freien Räume würde er sich sehr gut ins Kombinationsspiel einfügen. Allerdings besitzt er grosse Schwächen im Pressing und könnte physisch überfordert sein.

3. Spielt der FC Sion Angriffspressing?

Der FC Sion dürfte wie meistens in dieser Rückrunde unter Tholot mit einem 4-1-4-1-System antreten. Bezüglich taktischer Ausrichtung stellt sich gegen den FC Basel zuallerst die Frage, wie der asymmetrische Spielaufbau der Basler attackiert werden soll. Entweder könnte, wie beispielsweise von den Young Boys im Heimspiel gegen den FCB perfekt ausgeführt, die Dreierkette des FCB im Spielaufbau sofort gepresst werden. Carlitos würde in dieser Variante die Vorstösse von Xhaka nicht verfolgen und stattdessen Schär unter Druck setzen. Dies würde eine eher hektische Partie mit vielen Ballverlusten zur Folge haben. Die Sittener dürften allerdings, auch auf Grund der warmen Temperaturen, nicht so risikoreich agieren und erst bei allfälligem Rückstand dauerhaft Angriffspressing betreiben. In der Meisterschaftspartie in Basel hatte Assifuah die Vorstösse von Xhaka äusserst fleissig verfolgt, weshalb sich eine chancenarme Partie entwickelte. Der FCB konnte den Ball in der Abwehrreihe problemlos laufen lassen, kam aber kaum je gefährlich nach vorne. Auch wenn Carlitos etwas weniger extrem nach hinten arbeiten dürfte, dürfte die Spielcharakteristik wieder ähnlich sein.

Zu einem Abnützungskampf beitragen dürften auch die vielen harten Duelle im zentralen Mittelfeld. Der FC Sion ist durchwegs physisch stark und verfügt mit Salatic, Kouassi und Fernandes über drei sehr zweikampfstarke Zentrumsspieler. Nicht zuletzt deshalb dürfte Sousa auf das in schwierigen Spielen erprobte Mittelfeld-Trio Frei, Elneny und Zuffi setzen. Frei und Elneny werden gegen Kouassi und Fernandes wenig Raum zur Spielentwicklung haben. Zuffi wird hauptsächlich von Salatic bewacht werden, wobei Sion in der Defensive keine explizite Manndeckung spielt. Zuffi sowie der rechte FCB-Mittelfeldspieler werden je nach Situation von Salatic oder dem nächsten Verteidiger aufgenommen. Ohne Übergewicht im Zentrum werden die Bewegungen und die Einbindung des rechten Mittelfeldspielers für das Offensivspiel des FCB umso wichtiger.

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