FC Luzern lässt Delgado gewähren

Dank geschickten Umstellungen im Spielaufbau nutzte der FC Basel gegen den FC Luzern (3:0) die freien Räume im Zentrum und zeigte eine deutliche Leistungssteigerung. Die Luzerner schenkten Matias Delgado zu wenig Beachtung und verteidigten schwach. 

Der FC St. Gallen hatte den FC Basel vor Wochenfrist mit einer relativ passiven Ausrichtung vor grosse Probleme gestellt. Trotz vielen Möglichkeiten, das Spiel aus der eigenen Abwehr zu gestalten, vermochte sich der FCB kaum Chancen herauszuspielen. Der FC Luzern stieg in Basel mit einer deutlich aggressiveren Haltung in die Partie und war damit schlecht vorbereitet auf das Basler Spiel, das dank einigen cleveren Umstellungen von Trainer Urs Fischer deutlich besser funktionierte als zuletzt. Zwar hätten die Luzerner das wenig rhythmische Spiel mit etwas mehr Wettkampfglück ausgeglichener gestalten können. Eine realistische Chance auf einen Punktgewinn besassen sie jedoch wegen ihrer schwachen Defensivarbeit nicht.

Luzerner Raute lässt Räume vor der Abwehr offen

Als aktuell einziges Team der Liga bevorzugt der FC Luzern eine Rautenformation (4-3-1-2), wobei dies im Gegensatz zur letztjährigen Rückrunde keinen durchschlagenden Erfolg bringt. Insbesondere in der Mittelfeldraute selbst fehlt seit Saisonbeginn die Feinabstimmung und zuweilen die individuelle Qualität. Im Rückblick dürfte sich Trainer Markus Babbel ärgern, auch in Basel in der Rautenformation angetreten zu sein. Schon im Heimspiel gegen den FCB im August hatte diese Taktik nur beschränkt funktioniert und Babbel in der Halbzeit auf ein 4-4-2-System umgestellt. Das flache 4-4-2, das die Luzerner auch sonst ab und zu praktizieren und das dem FCB zuletzt in der Spielgestaltung oft grosse Mühe bereitet hatte, wäre in dieser Partie wohl die bessere Wahl gewesen.

Jedenfalls wies die defensive Organisation der Luzerner Raute zu grobe Mängel auf, um in Basel bestehen zu können. Trotz der numerischen Überlegenheit im Zentrum schien Luzern nicht darauf bedacht, die Räume vor der Abwehr zu schliessen. Bei Verschiebebewegungen ging die Kompaktheit schnell verloren, weil die Einstellung etwas zu aggressiv war. Dazu fehlt Babbel eine verlässliche Lösung auf der Sechser-Position. Im Saisonverlauf nominierte er auf der Position vor der Abwehr bereits fünf verschiedene Akteure. In Basel setzte er auf Migjen Basha, der gegen das spielstarke Basler Zentrum grosse Mühe bekundete und Delgado nicht in den Griff bekam.

Anpassungen im FCB-System verbessern Spielaufbau

Dass der FCB die Luzerner Fehler schonungslos aufdecken konnte, war auf eine deutliche Steigerung der Basler bei eigenem Ballbesitz zurückzuführen. Die Umstellung von Fischer auf ein 4-2-3-1-System verbesserte die Raumaufteilung generell und erlaubte eine gute Feinabstimmung auf die Luzerner Raute. Mit Zuffi, Elneny und Delgado schickte er die spielstärkste Besetzung aufs Feld. Eine entscheidende Veränderung der Abläufe im Aufbaufspiel und die schlechte Einstellung der Luzerner zeigte sich bereits in den Startminuten. Während sich Elneny gegen St. Gallen im Spielaufbau ständig zwischen die beiden Innenverteidiger fallen gelassen hatte, tat er dies gegen Luzern fast gar nie. Stattdessen rückten die Aussenverteidiger Xhaka und vor allem Safari auf der linken Seite weniger rasch vor und bildeten gemeinsam mit den beiden Innenverteidigern die wichtigsten Schaltstellen im Aufbau. Erstens blieb damit das Zentrum gegen die numerisch ohnehin überlegene Raute besser besetzt und zweitens konnten die freien Räume auf den Seiten so optimal genutzt werden. Die Aussenverteidiger besitzen gegen die Raute keine direkten Gegenspieler und können meist mühelos angespielt werden.

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Bild 1: Seitenverlagerung zu Safari im FCB-Spielaufbau gegen Raute

In der oben abgebildeten Szene verlagerte der FCB das Spiel von Lang über Suchy zu Safari in den freien Raum. Diese Seitenverlagerung zwang die Luzerner Raute sich zu verschieben, was generell zu grösseren Abständen führt. In diesem Fall ging die Kompaktheit bei den Luzernern überdies verloren, weil Jantscher (10) angehalten schien, sich hauptsächlich um Elneny zu kümmern. Anstatt sich mit der Raute weit nach rechts zu verschieben und ein Anspiel auf Zuffi zu erschweren, verharrte er im Zentrum. Dies könnte eine taktische Anweisung gewesen sein im Glauben, Elneny würde wie gegen St. Gallen den FCB-Spielaufbau leiten. Gegen die veränderte Grundformation der Basler erwies sich dies als Fehler, der dem FCB in der Person von Zuffi viele Freiheiten in der Spielgestaltung ermöglichte. In diesem Beispiel spielte Zuffi einen Doppelpass mit Safari und erhielt, immer noch ungedeckt, erneut den Ball von Safari. Delgado und Callà hatten in der Zwischenzeit geschickt zur Bildung zahlreicher Dreiecke beigetragen.

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Bild 2: FCL in Unterzahl – Basha ignoriert Delgado

Nebst der verbesserten Ballzirkulation der Basler und der grundsätzlichen Probleme der Luzerner im Spiel gegen den Ball zeigte sich in dieser Szene auch die Fahrlässigkeit im Defensivspiel gegen Matias Delgado. Obwohl die Rautenformation es erlauben würde, legte die Luzerner Taktik generell kein besonderes Augenmerk auf Delgado. Sechser Basha schien nicht angehalten, vor allem die Kreise von Delgado vor der Abwehr zu stören. Dazu traf er in einigen Situationen falsche Entscheidungen. Wie im obigen Bild zu erkennen, ignorierte er Delgado und versuchte stattdessen Zuffi unter Druck zu setzen. Chancenlos auf einen Ballgewinn in dieser 3:4-Unterzahlsituation riss er damit eine grosse Lücke zwischen sich und die Defensive, und öffnete Delgado den Raum zwischen den Linien. Via Zuffi und Callà konnte Delgado problemlos angespielt werden, sich wenden und wiederum Safari am Flügel lancieren (Resultat: Eckball FCB).

Unbewachter Delgado nutzt freie Räume vor der Abwehr

Einige Minuten später führte ein Fehler von Basha bzw. der ungenügende Fokus auf Delgado zum Basler Führungstreffer. Herauszuheben ist in dieser Situation (Link zum sportpanorama-Video) allerdings auch das gute Positionsspiel der Basler. Die engen Abstände der drei offensiven Mittelfeldspieler war eine weitere gute Anpassung an die taktische Ausrichtung des Gegners. Links und rechts neben dem Sechser entstehen bei der Raute natürlicherweise Lücken. Bjarnason positionierte sich in dieser Szene im Halbraum recht nahe an Delgado. Weil bei Luzern die Abstimmung nicht passte und weder der halblinke Mittelfeldspieler (Freuler) den Passweg zu Bjarnason schloss noch der linke Aussenverteidiger (Thiesson) ihn eng bewachte, hätte Bjarnason direkt von Lang angespielt werden können. Dies verleitete Basha dazu, seine Position im Zentrum zu verlassen – er versuchte den Passweg zu Bjarnason zu schliessen, öffnete damit aber den noch viel gefährlicheren Passweg zu Delgado. Lang erkannte dies ausserordentlich schnell und spielte einen perfekten Ball zu Delgado, der wiederum Bjarnason einsetzte in der Schnittstelle zwischen Innen- und Aussenverteidiger.

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Bild 3: Entstehung 1:0: Delgado und Bjarnason im freien Raum

Erneut agierte Basha zu aggressiv, wobei wiederum die Grundausrichtung der gesamten Raute nicht stimmte. Anstatt die Abwehr zu schützen und Delgado zwischen den Linien keinen Raum zu lassen, war die Raute und insbesondere Basha von Beginn weg zu hoch positioniert. Als Konsequenz davon orientierte sich Innenverteidiger Affolter zu Delgado und öffnete die Lücke für Bjarnason bzw. war nicht in der Lage den Pass zu Bjarnason zu klären.

In der Entstehung des zweiten Tores begingen die Luzerner keinen grundsätzlichen taktischen Fehler, fanden jedoch nach einem Ballverlust im Zentrum trotz Überzahl keinen Zugriff auf das ballsichere Basler Mittelfeld und waren natürlicherweise verwundbar auf den Seiten. Zuffi befreite sich schön und eine perfekte Verlagerung von Delgado auf die offene linke Seite zu Safari leiteten den Angriff ein.

Vor dem dritten Gegentreffer (Video) wurde Luzern wiederum der mangelnde Zugriff im Zentrum zum Verhängnis. Die Organisation stimmte in dieser Szene allerdings auch nicht richtig, weil Sekunden zuvor Rechtsverteidiger Schachten nach einer Behandlungspause eben erst wieder auf das Feld zurückgekehrt war und Babbel gleichzeitig auf ein flaches 4-4-2 umgestellt hatte. Nichtsdestotrotz war wiederum entscheidend, dass der Raum vor der Abwehr bzw. Delgado zu wenig beachtet wurde. Erst Basha und dann Kryeziu stürzen sich auf Elneny und jagen den Ball anstatt Delgado zu kontrollieren.

Fazit

Die Umstellungen von Urs Fischer verbesserten das Basler Offensivspiel markant. Die 4-2-3-1-Formation sorgte für eine generell bessere Raumaufteilung und ideale Ausrichtung gegen die Raute der Luzerner. Durch die veränderten Abläufe im Spielaufbau mit zurückhaltenderen Aussenverteidigern in der ersten Phase wurde die Luzerner Formation geschickt auseinander gezogen. Dank der engen Positionierung der offensiven Mittelfeldreihe fanden die Basler Lücken in der Luzerner Defensive, die Delgado viel zu wenig Beachtung schenkte. Insbesondere Basha agierte zu aggressiv und verliess seine Sechser-Position im Zentrum ohne Rücksicht auf Delgado, wobei die Raute generell sehr schlecht auf das spielstarke Basler Zentrum eingestellt war.

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